Seid ihr in einer großen Familie aufgewachsen, oder habt ihr vielleicht sogar selbst eine große Familie gegründet? Ich habe zwei Schwestern und komme damit schon aus einer überdurchschnittlich großen Familie. Nur ca. 9,3% aller Familien in Deutschland haben drei Kinder (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung). Familienhaushalte mit mehr Kindern kommen noch viel seltener vor: In nur 0,7% aller Familien in Deutschland leben fünf oder mehr Kinder (Quelle: ebd.). Gerade, weil einem solche Großfamilien so selten begegnen, finde ich es umso spannender, in Dokus einen Einblick in ihren Alltag zu bekommen. Wie ist es, mit vielen Geschwistern aufzuwachsen? Und wie herausfordernd ist es für die Eltern, eine Großfamilie zu managen? Im heutigen Blog-Beitrag stelle ich drei tolle Dokumentationen vor, die genau diesen Fragen nachgehen. Viel Spaß beim Lesen und Schauen!
1. „8 Geschwister = Chaos? Leben in einer XXL-Familie“, follow me.reports, 2021, Länge: ca. 15 Minuten
Reporterin Hannah verbringt einen Tag in der Familie von Lois. Lois hat sieben Geschwister und zeigt, wie der turbulente Alltag bei ihr zu Hause aussieht, wer welche Aufgaben übernehmen muss und welche Vor- und Nachteile das Leben in einer Großfamilie hat. Auch ihre Mutter kommt zu Wort und berichtet aus ihrer Perspektive, warum sie sich dazu entschieden hat, eine große Familie zu gründen. Durch die offene und sympathische Art der Reporterin macht das Zuschauen Spaß, und man erfährt in der Kürze der Zeit viel über Lois und ihre Familie. Sehr spannend finde ich persönlich auch, dass Lois‘ Eltern in der Vergangenheit Mitglieder einer christlichen Sekte waren. Darüber hätte ich gerne mehr erfahren, das Thema wird in der Doku aber nur am Rande gestreift.
Der Film lebt von der einnehmenden Art der Reporterin und besticht besonders durch die subjektive Herangehensweise an das Thema.
Hinweis: Wer sich für religiöse Sekten und Aussteiger:innen-Geschichten interessiert, kann sich zum Beispiel diese Dokumentation ansehen: „Endlich wieder frei – Abigails Ausstieg“
2. „10 Kinder unter einem Dach: Das Leben als Großfamilie“, Stern TV, 2020, Länge: ca. 15 Minuten
In dieser Doku geht es um eine Familie mit sage und schreibe zehn Kindern, die auf einem Bauernhof im Allgäu lebt. Durch den Voice-over-Kommentar erfährt man unheimlich viel über die Familie, der Film bleibt aber insgesamt etwas trocken und weniger persönlich als die Reportage von follow me.reports. Die portraitierte Familie wirkt aber dennoch total sympathisch, und es macht Spaß, ihren Alltag 24 Stunden lang zu begleiten.
Viele verschiedene Aspekte des Großfamilien-Lebens werden angesprochen und man erfährt als Zuschauer:in Einiges, auch wenn der Film sehr konventionell aufgebaut ist und eine persönliche Note fehlt.
3. „Zum Glück zu zehnt: Leben in der Großfamilie“, WDR, 2020, Länge: ca. 45 Minuten
Meine persönliche Lieblings-Doku zum Thema Großfamilie ist diese hier vom WDR. In 45 Minuten lernt man Monika, Paul und ihre acht Kinder kennen. Der Film setzt sich aus Archivmaterial zusammen, das 2010 entstanden ist, und neuen Aufnahmen, die das Leben der Familie zehn Jahre später zeigen. Durch die Verbindung von alten und neuen Aufnahmen bekommt man als Zuschauer:in die Möglichkeit, zu sehen, wie sich Eltern und Kinder weiterentwickeln und was aus ihren Träumen und Plänen geworden ist. Außerdem kann man sehr schön die Veränderungen in der Dynamik der Familie beobachten, die 2010 noch aus vielen Klein- und Schulkindern besteht, während 2020 fast alle Kinder erwachsen sind. Eine thematische Klammer bildet der Familienurlaub, der sowohl 2010 als auch 2020 mit der Kamera begleitet wird.
Durch die parallele Montage der beiden Zeiträume 2010 und 2020 fesselt dieser Film von Anfang an. Die 45 Minuten bieten genug Zeit, um allen Kindern und den Eltern Raum zu geben. Ein weiterer Anschlussfilm in einigen Jahren wäre spannend!
