3 Tipps: Zirkustiere

In Deutschland sind mindestens 160 Raubkatzen in Zirkusmanegen im Einsatz, hauptsächlich Löwen und Tiger. Ist es noch zeitgemäß, Wildtiere im Zirkus auftreten zu lassen? In 28 europäischen Ländern gibt es bereits ein Wildtierverbot, Deutschland hat ein solches Verbot bis jetzt nicht durchgesetzt. Wie artgerecht kann Tierhaltung im Zirkus sein? Die folgenden drei Dokus nähern sich diesem kontroversen Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und bilden eine schöne Grundlage, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

1. „Zirkustiere – Das Leben exotischer Tiere im Zirkus“, Y-Kollektiv, 2018, Länge: ca. 15 Minuten

Reporterin Antonia Lilly Schanze besucht den Zirkus Voyage, in dem mehr als 80 Tiere auftreten. Sie will dem Konflikt zwischen Zirkusbetreibern und Tierschützer:innen nachspüren, der seit Jahren am Brodeln ist. Dafür spricht sie mit dem Direktor des Zirkus und fragt nach seiner Meinung zu dem Vorwurf, man könne Tiere im Zirkus nicht artgerecht halten. Außerdem begleitet sie die beiden Tierschützer Peter und Sascha eine Nacht lang – ihr Ziel ist es, beim Transport der Zirkustiere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu filmen. Die Aktion wird ziemlich abenteuerlich, denn die beiden Männer und die Reporterin liegen die ganze Nacht über auf der Lauer und beobachten heimlich die Geschehnisse auf dem Zirkusgelände. Die beiden Tierschützer gehen dabei für meinen Geschmack ein wenig zu sehr in ihrer Rolle als verdeckte Ermittler auf. Sympathie kommt hier für beide Seiten nicht so richtig auf, allerdings wird sehr schön deutlich, wie aufgeheizt und angespannt die Stimmung zwischen den Tierschützern und den Zirkusbetreibern des Zirkus Voyage ist. Für besonderen Pep sorgt die Reporterin, die (oft mit leicht ironischem Unterton) ihre eigenen Gedanken in den Film einfließen lässt, ohne dem Thema an Ernsthaftigkeit zu nehmen.

entgegengesetzte Positionen werden beleuchtet; subjektiv

beide Seiten wirken nicht wirklich sympathisch

2. „Zirkustiere – Dokumentation von NZZ Format“, NZZ, 2007, Länge: ca. 30 Minuten

Diese Doku über den Schweizer Nationalzirkus „Circus Knie“ ist schon etwas älter. Trotzdem gewährt sie einen interessanten Einblick in die Arbeit mit Tieren beim Zirkus. Im Circus Knie gibt es übrigens auch heute noch Wildtiere, auf der Website des Zirkus steht jedoch, dass in diesem Jahr auf den sogenannten „fahrenden Zoo“ verzichtet wird, da kein ausreichender Platz für die Tiere gewährleistet ist. Die Doku ist 2007 entstanden, damals gehören ca. 100 Tiere zum Circus Knie – unter anderem Lamas, Pferde, Elefanten, Zebras und Trampeltiere. Der Zirkus rühmt sich mit der „Freiheitsdressur“ von Pferden. Dabei werden die Tiere beim Training angeblich keinerlei Zwang ausgesetzt. Die Betreiber stellen ihre besonderen Trainingsmethoden vor; außerdem wird gezeigt, wie die Unterbringung der verschiedenen Tiere organisiert ist. Ein Fokus liegt auf der Arbeit mit Elefanten. Die Kunststücke, die die Dickhäuter einstudieren, sehen eindrucksvoll aus, aber wie artgerecht sind solche Vorführungen? Besonders spannend an der Doku ist der Rückblick in die 1970er Jahre: Im Circus Knie treten damals Nashörner und Tiger gemeinsam in der Manege auf – ein Auftritt, der heute unvorstellbar wäre. Immer wieder stellt man sich als Zuschauer:in hier die Frage, ob die Zirkusbetreiber tatsächlich so tierlieb sind, wie sie in dem Film dargestellt werden. In der Doku fallen nur wenige kritische Worte, die Gegenseite kommt nicht zu Wort. Sehenswert ist der Film trotzdem, vor allem, da er Stoff zum Nachdenken gibt, auch wenn Manches von dem Gezeigten heute vielleicht nicht mehr aktuell ist.

detaillierter Einblick in die Arbeit mit den Tieren beim Circus Knie

einseitig und etwas zu unkritisch; evtl. in Teilen überholt

3. „Zoff in der Manege – (K)ein Herz für Tiere“, MDR (Exakt), 2019, Länge: ca. 30 Minuten

Hier wird sich der Streitfrage um die Haltung von Tieren im Zirkus aus einer sehr wissenschaftlichen und faktenbasierten Perspektive genähert. Verschiedene Wissenschaftler:innen kommen zu Wort, unter anderem der Verhaltensbiologe Dr. Immanuel Birmelin, der erklärt, welche Argumente gegen die Vorwürfe der Tierschützer:innen sprechen. Außerdem werden Untersuchungen herangezogen, bei denen das Stresslevel von Zirkustieren während des Transports gemessen wurde. Im Fokus steht hier der traditionsreiche Zirkus Krone, der unter anderem Löwen auftreten lässt. Tierlehrer Martin Lacey gewährt einen Einblick in sein Training mit den Tieren, das auf den ersten Blick keinen Zwang oder Gewalt erkennen lässt. Dem gegenüber stehen die Aussagen der Tierschützer:innen von Peta. Tatsächlich sind die Argumente der beiden Seiten hier sehr schwer gegeneinander abzuwägen; das zeigt das Beispiel einer Umfrage, die sowohl von Peta als auch vom Dresdner Weihnachtszirkus durchgeführt wurde: Beide haben gefragt, wer für ein Wildtierverbot in Zirkussen ist, die Ergebnisse sind allerdings komplett unterschiedlich. Wem kann man glauben? Den Fakten der Wissenschaftler:innen, die mitunter auch nicht unvoreingenommen sind, oder den eher auf Emotionalität ruhenden Argumenten von Peta? Die Doku liefert keine eindeutige Antwort, sondern stellt die Komplexität des Konflikts sehr gut dar. Schön wäre allerdings gewesen, wenn außer Peta auch noch andere Tierschutzorganisationen eingebunden worden wären, da die gezeigten Stimmen auf Seiten der Zirkusverfechter:innen hier um Einiges vielfältiger und zahlreicher sind.

beide Seiten werden berücksichtigt; viele Fakten und Statistiken

als Tierschützer:innen nur Peta, aber auf der anderen Seite unterschiedliche Zirkusbetreiber:innen, die Seite der Zirkusse scheint etwas ernster genommen zu werden