Der heutige Beitrag unterscheidet sich ein wenig von den anderen, ich stelle euch nämlich nicht – wie sonst – drei Dokus zu einem Thema vor, sondern drei Doku-Reihen eines Formats. Das Format „Menschen hautnah“ des WDR ist in den vergangenen Monaten zu einem meiner Lieblingsformate geworden. Besonders die Mini-Reihen mit drei Filmen zu einem Thema haben es mir angetan. Wie der Titel schon verrät, geht es bei „Menschen hautnah“ um Menschen und deren persönliche Geschichten. Dabei werden die Protagonist:innen eine Zeitlang auf ihrer persönlichen Reise begleitet – hautnah, aber nie aufdringlich oder invasiv. Die einfühlsame Erzählweise und die tollen Protagonist:innen machen „Menschen hautnah“ zu einem ganz besonderen Doku-Format, das ich jedem ans Herz legen kann! In diesem Beitrag stelle ich euch drei Mini-Reihen vor, die mich in den letzten Monaten besonders mitgerissen haben und mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind.
1. „Wir haben adoptiert“, WDR, 2021, Länge: 3x ca. 25 Minuten
Fünf Paare erzählen von ihrer Reise zum Adoptivkind. Vom ersten Kinderwunsch, Schicksalsschlägen, dem langen und oft kräftezehrenden Adoptionsprozess, bis zu dem Moment, in dem die Eltern zum ersten Mal auf ihr Kind treffen und das neue gemeinsame Leben als Familie beginnt. Die portraitierten Paare sind ganz unterschiedlich und doch durch ihre Geschichte miteinander verbunden. Abwechselnd erzählen sie, jeweils im Setting ihres eigenen Zuhauses, ohne zusätzliche stilistische Mittel wie Voice-Over, Text-Inserts oder weiteres Bildmaterial. Im Fokus steht einzig die Situation, das gesprochene Wort, und vor allem dadurch wirken die drei Teile der Reihe so unheimlich eindringlich und fesselnd. Emotional, persönlich und reflektiert sprechen die Adoptiveltern auf eine Weise über ihre Geschichte, die mich als Zuschauer:in glauben lässt, mit ihnen bei einem gemütlichen Nachmittagsgespräch zusammenzusitzen. Die Protagonist:innen und die wunderschöne filmische und narrative Umsetzung haben mich von Anfang an überzeugt – unmöglich, hier nicht direkt alle drei Teile hintereinander anzuschauen!
2. „Liebesbeben“, WDR, 2021, Länge: 3x ca. 25 Minuten
Die Reihe „Liebesbeben“ handelt von den Herausforderungen, den Tiefen und Problemen einer Partnerschaft. Es werden drei Paare porträtiert, die an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens stehen – Faisal und Kathi sind seit einem Jahr zusammen, Jupp und Kirsten haben schon viele Ehejahre hinter sich und vier gemeinsame Kinder, Judith und Andi haben sich vor sechs Jahren im Studium kennengelernt. Sie alle haben mit ihrer Liebe zu kämpfen und kämpfen für diese Liebe. Die Kamera begleitet sie in ihrem Alltag, fängt Momente der Diskussion und des Zwiespalts, der Versöhnung, der Verzweiflung und der Hoffnung ein. Dabei passiert in den meisten Szenen nichts Außergewöhnliches, dennoch fesseln die drei Filme durch ihr universales Thema und den persönlichen Einblick, den die Protagonist:innen in ihr Privatleben gewähren. Außerdem steht natürlich die andauernde Frage im Raum, ob die drei Beziehungen den Belastungen stand halten können, oder ob sie letzten Endes doch scheitern. Ohne diese Frage plakativ in den Mittelpunkt zu stellen, bildet sie doch einen gelungenen Spannungsbogen der Reihe, die zum Weiterschauen verleitet.
3. „Pauline, der Tod und das Leben“, WDR, Länge: 3x ca. 25 Minuten
Triggerwarnung: In dieser Reihe geht es um den Tod eines Kindes.
Als Pauline vier Jahre alt ist, wird bei ihr ein unheilbarer Hirntumor festgestellt. Die Doku-Reihe „Pauline, der Tod und das Leben“ begleitet sie und ihre Familie ein Jahr lang, in den Monaten vor und nach Paulines Tod. Paulines Eltern hören nach der Diagnose ihrer Tochter auf zu arbeiten, sie wollen so viel Zeit wie möglich mit der Familie verbringen. Die Kamera begleitet sie bei einem Kurzurlaub ans Meer, den sich Pauline und ihre fünfjährige Schwester Edda gewünscht haben, bei Ausflügen und im „neuen“ Alltag. Das Leben der Familie, das von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wurde, wird einfühlsam und respektvoll eingefangen. Dabei steht natürlich Paulines Diagnose im Vordergrund, ihre sich zunehmend verschlechternde Gesundheit und der Umgang ihrer Eltern und ihrer Schwester mit der Krankheit, aber der Fokus liegt genauso auf den schönen Momenten und Erinnerungen, die die Familie gemeinsam verbringt und sammelt. Das schwierige und natürlich absolut herzzerreißende Thema wird in der Mini-Reihe unheimlich schön und rührend behandelt. Mich haben die drei Filme über Pauline und ihre Familie emotional sehr bewegt und lange beschäftigt – und mich sehr beeindruckt zurückgelassen, wie stark alle vier Familienmitglieder mit ihrer Situation umgehen.
