3 Tipps: Freundschaft

Könnt ihr euch ein Leben ohne Freundschaften vorstellen? Also, ich nicht. Gute Freunde und Freundinnen sind eine riesige Bereicherung und in schwierigen Situationen eine wichtige Stütze! Heute, am 30. Juli, ist der Internationale Tag der Freundschaft. Er wurde in den 1950ern in Paraguay initiiert und 2011 von der UN offiziell festgelegt. Sich mit dem Thema Freundschaft zu beschäftigen macht einfach Spaß, deshalb wollte ich unbedingt einen Blogbeitrag dazu schreiben. Ich war allerdings etwas überrascht darüber, wie schwer es ist, Dokus zu dem Thema zu finden. Ich musste eine Weile suchen, bin aber schließlich doch auf drei Filme (bzw. zwei Filme und eine Reportage-Reihe) gestoßen, die ich hier mit euch teilen möchte. Viel Spaß!

1. „Wie finde ich Freunde?“ (Reihe), Die Frage, 2019, Länge: ca. 15–30 Minuten

Diese fünfteilige Reportage-Reihe mit dem übergeordneten Titel „Wie finde ich Freunde?“ stellt besondere Freundschaften und ungewöhnliche Wege, um neue Freundschaften zu schließen, vor. Jeder Film widmet sich dem Thema aus einer anderen Perspektive und stellt andere Protagonist:innen vor. Gleich bleibt nur Reporter Frank, der die Reihe mit seiner lockeren und einfühlsamen Art, und mit seinem subjektivem Blick erst richtig interessant macht. Darum geht es in den einzelnen Folgen (inklusive Links):

  • „Online Freunde finden: Geht das?“: Reporter Frank probiert in einem Selbstexperiment verschiedene Möglichkeiten aus, um über das Internet Freunde zu finden. Zum Einen sucht er in einer Facebook-Gruppe für neu Zugezogene Kontakt und initiiert darüber ein Treffen; außerdem versucht er, über eine App neue Leute kennenzulernen, die ähnlich wie eine Dating-App funktioniert. Die dritte Variante, die er ausprobiert, ist eine Plattform, über die man Freunde gegen Bezahlung „mieten“ kann.
  • „Multiple Persönlichkeit: Unsere beste Freundin hat uns gerettet“: „Ich bin Viele.“ – das sagt die Protagonistin in diesem Film über sich. Sie leidet an einer Dissoziativen Identitätsstörung. Thematisiert wird hier, inwiefern die Persönlichkeitsstörung die Beziehung zu ihrer besten Freundin beeinflusst und wie wichtig ihre beste Freundin für sie ist. In der Doku lernt man viel über die Dissoziative Identitätsstörung, im Vordergrund steht aber trotzdem die unglaublich starke Freundschaft, die die beiden Protagonistinnen verbindet.
  • „Segeln um die Welt: Freundschaft auf engstem Raum“: Im Fokus dieser Doku stehen vier Freunde, die gemeinsam auf einem kleinen Segelboot um die Welt reisen. Über Monate hinweg leben sie auf engstem Raum zusammen, was die Freundschaft mitunter auf die Probe stellen kann. Sie sprechen darüber, wie ihre gemeinsame Reise ihre Freundschaft stärker macht und worauf es ankommt, damit das Zusammenleben auf dem Boot gut funktioniert.
  • „Ex-Zeuge Jehovas: Freunde finden nach dem Ausstieg?“: Timo war Mitglied bei den Zeugen Jehovas und hat nach seinem Ausstieg alle seine Freunde verloren. Auch seine Familie hat den Kontakt zu ihm abgebrochen, als er den Entschluss gefasst hat, die Zeugen Jehovas zu verlassen. Seitdem hat er Schwierigkeiten damit, neue Freundschaften zu schließen. Gemeinsam mit Reporter Frank versucht er, neue Kontakte zu schließen.
  • „Multiple Persönlichkeit: Q&A zur dissoziativen Identitätsstörung“: Die beiden Protagonistinnen aus der zweiten Folge der Reihe beantworten häufig gestellte Fragen der Zuschauer:innen.

spannende Ansätze; Thema wird aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet; alle Filme sind abwechslungsreich und fesselnd

der Titel „Wie finde ich Freunde?“ ist vielleicht etwas irreleitend, weil es nicht in allen Videos darum geht, wie man neue Freundschaften schließen kann (das ist aber kein richtiger Kritikpunkt)

2. „Das Geheimnis der Freundschaft“, ZDF, 2019, Länge: ca. 25 Minuten

Dieser Film ist keine klassische Doku, sondern Teil der Sendung „sonntags“, die von Andrea Ballschuh moderiert wird. Vorgestellt werden darin fünf kurze Beiträge, die auf unterschiedliche Weise auf das Thema Freundschaft eingehen. Die ausgewählten Themen sind interessant, wirken allerdings, als seien sie eher auf ein älteres Zielpublikum ausgerichtet. Insgesamt fehlt es dem Film – besonders im Vergleich mit der „Die Frage“-Reihe – für mein Empfinden etwas an Pep. Er ist jedoch sehr informativ. Das sind die behandelten Themen:

  • Bernd war wohnungslos und alkoholabhängig, bis er in der „Leipziger Oase“, einer Zuflucht für Wohnungslose, Christoph getroffen hat, der die Einrichtung leitet. Die beiden freunden sich miteinander an und durch Christophs Hilfe gelingt es Bernd, sich ein neues Leben aufzubauen. Der Beitrag stellt seine Geschichte vor.
  • Im zweiten Beitrag erklärt eine Verhaltensbiologin, warum Freundschaften sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Gute Freunde und Freundinnen, so sagt sie, fördern nicht nur die psychische Gesundheit, sondern auch die körperliche.
  • Als nächstes wird eine „Senioren-WG“ vorgestellt, in der sechs Rentner:innen leben. Das Konzept der Senioren-WG ist ungewöhnlich, aber eine schöne Möglichkeit für Menschen, die im Alter nicht allein leben wollen und die vielleicht Schwierigkeiten damit haben, neue Kontakte zu knüpfen.
  • Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich einsam. Eine Gesundheitspsychologin erklärt, woran das liegen könnte (dabei geht sie unter anderem auf die Rolle Sozialer Medien ein), außerdem wird die weltweit erste „Ministerin für Gesundheit“ vorgestellt, die es seit 2018 in Großbritannien gibt.
  • Der letzte Beitrag behandelt einen Pflegebauernhof im Westerwald. Dort leben Senior:innen, die in dem Leben auf dem Hof eine Chance sehen, um möglichst lange fit zu bleiben. Sie profitieren von dem Kontakt zu den Tieren und können auch bei der anfallenden Arbeit mit anpacken.

vielseitige Herangehensweise an das Thema Freundschaft

eher ältere Protagonist:innen und dadurch auch eher ältere Zielgruppe; sehr kurze Beiträge

3. „Mangelware Freundschaft – Können wir ohne Freunde leben?“, BR, Länge: ca. 30 Minuten

Wird es zunehmend schwerer, Freunde zu finden? Und kann man ohne Freunde leben? Diesen Fragen versucht die Doku nachzugehen, indem sie sich auf drei Themenblöcke konzentriert. Im ersten Teil wird Rainer Kramny vorgestellt – er betreut ehrenamtlich Menschen, die in Haft sind, schenkt ihnen ein offenes Ohr und leistet ihnen Gesellschaft, um sie vor der Einsamkeit zu bewahren. Menschen im Gefängnis sind besonders abgeschnitten von der Gesellschaft und haben es deshalb schwerer, Freundschaften aufrechtzuerhalten oder neue Freundschaften zu schließen. Im zweiten Teil der Doku geht es um den „Kult“ um die beste Freundin, der besonders in Sozialen Netzwerken zur Schau gestellt wird. Es wird darüber gesprochen, wie sich Freundschaften durch die öffentliche Darstellung im Internet verändern. Als positives Gegenbeispiel für die als kritisch eingeschätzte Entwicklung werden Michelle und Anna gezeigt, zwei Schülerinnen, die sich lieber persönlich treffen als Fotos von sich auf Facebook zu posten. Hier ist die Doku meiner Meinung nach zu einseitig geraten, denn das Internet und Soziale Medien werden als durchweg negativ dargestellt. Es wird nicht darauf eingegangen, inwiefern Soziale Netzwerke auch eine Bereicherung für Freundschaften sein können, das finde ich schade. Insgesamt steckt in diesem Teil des Films ein wenig zu viel erhobener Zeigefinger. Der dritte Themenblock konzentriert sich wiederum auf etwas ganz Anderes: Wie ist das, wenn die eigenen Freunde plötzlich nicht mehr da sind? René ist Landarzt in einem kleinen Ort; seit seine zwei besten Freunde gestorben sind, tut er sich schwer damit, neue Kontakte zu knüpfen. Er zeigt, welchen Herausforderungen er sich ausgesetzt fühlt und welche Möglichkeiten er sieht, um neue Freunde zu finden. Alles in allem wirkt die Doku in einigen Aspekten ein wenig veraltet, ich habe leider nicht herausgefunden, aus welchem Jahr sie stammt. Dadurch ist vieles von dem Gezeigten nicht mehr so gut auf den heutigen Alltag anwendbar.

interessante Ansätze (Freundschaften im Gefängnis; beste Freundinnen; Verlieren von Freunden)

teilweise einseitig; bietet wenig Mehrwert (vor allem, da die Doku schon älter ist)